frei:heraus – 10 Fragen an Andrea Stanke

10 Jahre Freiraumfrau

Von der Geburt meiner Marke bis heute traf ich wunderbare Menschen, die mir halfen an entscheidenden Kreuzungen den richtigen Weg einzuschlagen. Menschen, die mir ihr offenes Ohr schenkten und den Spiegel vorhielten. Die mir mit Rat & Tat zur Seite standen oder durch ihr Wirken mein Vorbild sind. Zum Jubiläum beschenken mich Wegbegleiterinnen mit inspirierenden Antworten auf meine zehn Fragen.

Meine heutige Interviewpartnerin ist Andrea Stanke!

Es gibt Menschen, die sind gefühlt schon ewig in meinem Leben, so wie Andrea. Andrea schreibt lebendige Texte für Wunschkund:innen (das Portrait über mich, liest du hier). Ihr Herzensthema ist die Biografiearbeit. Irgendwann trafen wir uns in echt, als der Freiraumbus mal wieder durch Köln fuhr. Andrea ist für mich Spiegelbild, offenes-Ohr-Habende, Klartextsprecherin und umgekehrt ist das auch so. Wir ticken ähnlich, lieben beide den Umgang mit Sprache und fühlen uns sehr verbunden. Dazu brauchen wir uns auch gar nicht mehr in echt zu sehen. Unsere Verbindung ist fest auch durch Telefonate geknüpft, wie ich hier gebloggt habe. Andrea und ich, wir sind Seelenverwandte, so würde ich das ausdrücken.

Liebe Andrea:

1. Meine Lieblingsfrage steht gleich am Anfang. Freiraum ist ein großes Wort, unter dem jeder sich etwas anderes vorstellt. Was bedeutet Freiraum für dich?

Freiraum bedeutet für mich, frei zu entscheiden und meine Lebenszeit selbstbestimmt zu gestalten. Ich arbeite schon seit 16 Jahren als freie Texterin im Home Office. Da hab ich gelernt, meiner inneren Uhr zu folgen und gut für mich zu sorgen. Um tief in die Themen meiner Kunden einzutauchen und das Wesentliche in Worte zu fassen, brauche ich einfach Zeit – und bewusste Pausen zum Innehalten und zum Katalysieren all der Informationen, die ich aufsauge. Nur mit genug Freiraum bleibe ich kreativ, konzentriert und gesund.

2. Das C-Wort ist in aller Munde. Welchen Freiraum vermisst du ganz besonders?

Am meisten vermisse ich unsere Wandergruppe, unsere monatlichen Touren ins Bergische oder in die Eifel und mehrtägige Wanderausflüge auf dem Rheinsteig o.ä. Zu zweit machen wir eher Radtouren, kürzere Wanderungen oder lange Spaziergänge am Rhein oder rund um Köln. Picknicks im Grünen nach anstrengenden Auf- und Abstiegen vermisse ich ebenfalls. Ich liebe es, draußen zu sein und richtig durchatmen zu können.

3. Wenn es um dich herum mal wieder hoch hergeht, was tust du dir Gutes um wieder in deine Mitte zu kommen?

Meine Kraftquelle ist die Natur. Wenn ich mich im Kreis drehe, wühle ich mit beiden Händen in der Erde – in meinen Balkonkästen oder meinen Gemüsebeeten im Garten. Manchmal schlendere ich zur uralten Buche in „meinem“ Park. Allen Widrigkeiten zum Trotz ist sie weiter gewachsen, am Stamm einige Narben, einige Äste abgebrochen, einige abgeschnitten. Doch sie steht verlässlich an ihrem Platz und strahlt so viel Zuversicht aus – mit ihren starken Wurzeln und ihrem kräftigen Stamm. Auch beim Blick aufs Meer krieg ich den Kopf frei und finde meine Mitte wieder.

4. Im Moment verbringen wir viel Zeit zu Hause. Die Innenarchitektin in mir möchte gerne wissen, wo du dir gerade mehr Freiraum in deinen Räumen wünschst?

Ich habe mir meine Räume so gestaltet, dass ich mich darin sehr wohlfühle. Was mich aber immer mehr nervt, ist der Großstadttrubel. Auch wenn ich in einer Seitenstraße in einem netten Veedel mit netten Nachbarn wohne, so zieht es mich nach Schleswig-Holstein an die Küste. Momentan habe ich eine starke Sehnsucht nach Klarheit und Ordnung. Das ist als Papiermaus und Bücherwurm gar nicht so leicht umzusetzen. Doch es gelingt mir immer besser, mich auf das zu fokussieren, was mir wirklich wichtig ist.

5. und 6.
Welche deiner Lebens- bzw. Arbeitsräume liebst du gerade ganz besonders und warum? Okay, das sind gleich 2 Fragen.

Da ich als freie Texterin von zuhause aus arbeite, nimmt mein Arbeitsraum einen großen Teil meines Lebensraums ein. Doch ich kann nicht stundenlang nur vor dem Bildschirm sitzen. Deshalb habe ich mir noch zwei Lese- und Arbeits-Ecken eingerichtet: einen Lesesessel direkt neben dem Schreibtisch und ein Sofa, auf dem ich lese, recherchiere, Kundenprojekte, Textkonzepte und Contentstrukturen durchdenke und handschriftliche Notizen mache.

Zum Glück hab ich Morgensonne in meinem Arbeitszimmer. Ich liebe helle Räume und den Blick in den Himmel. Auch wenn ich total gern im Schrebergarten bin, arbeiten kann ich dort nicht. Zum Texten brauche ich meine gewohnte Umgebung und meinen festen Schreibtisch zuhause. Da bin ich eher der Typ „schrullige Schriftstellerin in der Bücherhöhle“.

7. Ich glaube daran, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn wir mehr von dem tun, was uns wirklich am Herzen liegt. Was ist dein Herzensthema?

Mein Herzensthema ist es, das Innen ins Außen zu bringen. Es erfüllt mich, den besonderen Spirit einer Persönlichkeit durch wohl gewählte Worte lebendig werden zu lassen. Nach all der Marketing- und PR-Texterei habe ich die Biografiearbeit für mich entdeckt. Die Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte eines Menschen ist so facettenreich, so inspirierend und letztlich so heilsam. Denn wir können so viel voneinander lernen. Doch viel wichtiger als das Schreiben von Personality Porträts oder Biografien ist es mir, Menschen Impulse zu geben, ihre Lebensschätze selbst zu entdecken.

Bei meiner Art der Biografiearbeit geht es nicht nur darum, Erinnerungen zu bewahren und an die Folgegeneration weiterzugeben. Besonders für Menschen in der Lebensmitte oder in Umbruchsituationen kann eine geführte Lebensrückschau ein echter Augenöffner sein. Der bewusste Blick auf die Vergangenheit macht Mut für die bewusste Gestaltung der Zukunft.

8. Was motiviert dich an deinem Herzensthema dranzubleiben, wenn dich mal ein Durchhänger plagt?

Tja, Corona war in der Tat der Grund für einen Durchhänger bei mir. Anfang 2020 bin ich total enthusiastisch mit einem monatlichen Biografie-Café für Senior*innen gestartet. Nach ein paar Mal war Schluss. Ich war ausgebremst und demotiviert. In solchen Phasen hilft es mir, mich auf das Urvertrauen meines Vaters zu besinnen, der immer sagte: “Egal, was passiert, alles hat seinen Sinn, auch wenn du den oft erst im Nachhinein verstehst.“

Mitte des Jahres lernte ich Anne und Claudia von Bohana kennen, die gerade ihr Netzwerk für lebendige Abschiedskultur ins Leben gerufen haben. Im Rahmen unserer Zusammenarbeit habe ich nun ein digitales Format für mein Angebot der Biografiearbeit entwickelt: Den virtuellen Rundflug über den Lebensfluss. Ich bin so dankbar, dass mir – wie so oft in meinem Leben – die richtigen Menschen zur richtigen Zeit begegnet sind und mir neue Türen geöffnet haben.

9. „Marke ist das, was die Menschen über dich sagen, wenn du den Raum verlässt!“, sagt Jeff Bezos, der Gründer von Amazon. Jetzt bin ich gespannt! Was sagst du über mich, wenn ich den Raum verlasse?

Hach, nach den Gesprächen mit dir, liebe Freiraumfrau, bin ich erstmal ein wenig erschöpft, weil wir wieder über so viele Themen gemeinsam gesprudelt haben. Du liebst den bewussten Umgang mit Worten genauso sehr wie ich. Du bist nicht nur hochsensibel, sondern auch klar in dem, was du sagst – und zeichnest. Deine Wort-Bild-Kreationen sind einfach inspirierend. Was mich besonders beeindruckt hat, ist deine Comic-Biografie. Dich deiner Lebensgeschichte zu stellen und die Höhen und Tiefen deiner Selbstverwirklichung als Freiraumfrau öffentlich zu erzählen, ist ein Spiegel für viele. Und ein Mutmacher für die, die sich nach mehr Freiraum sehnen.

Begriffe in Bilder übersetzen: Weitblick

Kurz gesagt: Die Freiraumfrau wirkt wie ein Leuchtturm, dessen Leuchtfeuer zunächst etwas blenden kann, weil einen Moment lang alles im schönsten Licht glänzt. Doch ihr Streiflicht erhellt auch die dunklen Ecken, die man selbst gern übersieht.

10. Ich stehe an der Schwelle zu den nächsten 10 Freiraumfrau-Jahren. Was gibst du mir mit auf den Weg? Wünsche, Verbesserungsvorschläge, Inspiration? Ich bin gespannt.

Liebe Angelika, ich hab das Gefühl, dass du gerade in letzter Zeit – auch aufgrund deiner Armbrüche – klarer bist denn je. Beeindruckend, wie du mit dieser wochenlangen Einschränkung umgegangen bist. Ich wünsche dir, dass du noch viele Menschen bei der Gestaltung ihrer Freiräume unterstützen kannst. Bin gespannt auf die nächsten Stationen vom Freiraumbus, wenn du endlich wieder reisen darfst. Und jetzt freue ich mich erstmal auf ein Wiedersehen bei deinem virtuellen Tag der offenen Tür.

Danke für deine Wegbegleitung und deine Antworten!

Foto: privat

Mit mir arbeiten: „Freiraum kreieren!“

Ich begleite dich aus Engstellenzeiten hin zu mehr Freiraum in deinem Leben. Die Essenz unserer Gespräche verankere ich meinen Zeichnungen.