frei:heraus – 10 Fragen an Robert Bree

10 Jahre Freiraumfrau

Von der Geburt meiner Marke bis heute traf ich wunderbare Menschen, die mir halfen an entscheidenden Kreuzungen den richtigen Weg einzuschlagen. Menschen, die mir ihr offenes Ohr schenkten und den Spiegel vorhielten. Die mir mit Rat & Tat zur Seite standen oder durch ihr Wirken mein Vorbild sind. Zum Jubiläum beschenken mich Wegbegleiter:innen mit inspirierenden Antworten auf meine zehn Fragen.

Meine heutiger Interviewpartner ist Robert Bree:

Vor vielen Jahren hatte ich einen Tag der offenen Tür in meinem Atelier im Kontorhaus der Großmarkthalle in München. Ich hatte die naive Idee, dass es meine Nachbar:innen im Kontorhaus interessieren würde, was nebenan los ist. Weit gefehlt! Es kam: EINER. Und dieser eine war Robert Bree, der sein Büro zu diesem Zeitpunkt 2 Etagen tiefer hatte. So haben wir uns kennengelernt. Danach trafen wir uns in losen Abständen zum Lunch oder so zum Austausch über unsere kreative Arbeit. Als Robert seine legendären Netzwerktreffen veranstaltet hat, da war ich regelmäßig zu Gast. Und auch in seinem Blog wurde ich schon interviewt: Kreative unterwegs!
Durch Robert habe ich viele Inspirationen rund um das Thema Lettering und Schriftzüge bekommen. Dafür schon mal ein dickes DANKE; lieber Robert.

Lieber Robert:

1. Meine Lieblingsfrage steht gleich am Anfang. Freiraum ist ein großes Wort, unter dem jeder sich etwas anderes vorstellt. Was bedeutet Freiraum für dich?

Ich sehe Freiraum als einen Luxus, wenn du ihn dir selbst schaffen kannst. Es kann auch ein persönlicher Freiraum sein, der nichts mit physischem Raum zu tun hat. Frei und aktiv zu entscheiden, was und wie du deinen Tag gestaltest ist Freiraum, der natürlich nicht oft möglich ist. Wie du auf Gegebenheiten reagierst, ohne beeinflusst zu werden von äußeren Umständen, ist Freiraum.

2. Das C-Wort ist in aller Munde. Welchen Freiraum vermisst du ganz besonders?

Ich vermisse, Workshops vor Ort zu geben und die Teilnehmer persönlich zu sprechen. Verreisen könnte ich mir auch gut vorstellen, wobei eine Reise nicht so weit weg gehen muss. Das zwanglose Treffen von anderen Menschen ist zu einer Besonderheit geworden, die nicht selbstverständlich ist. Ins Kino gehen, ins Restaurant gehen oder zu einem kleinen Event zu gehen, sind Dinge, die mir fehlen.

3. Wenn es um dich herum mal wieder hoch hergeht, was tust du dir Gutes um wieder in deine Mitte zu kommen?

Erstmal muss ich merken, dass es hoch hergeht und ich meine Mitte wieder brauche. Wenn das der Fall ist, dann verlangsame ich alles, was ich mache, oder ich mache es erst gar nicht, weil mir der Kopf dazu fehlt. Manchmal verfalle ich dennoch in ein Muster des Tuns, was mich nicht wirklich wieder zentriert.

4. Im Moment verbringen wir viel Zeit zu Hause. Die Innenarchitektin in mir möchte gerne wissen, wo du dir gerade mehr Freiraum in deinen Räumen wünschst?

Im Wohnzimmer, da es gerade in der Corona-Zeit das ausgelagerte Kinderzimmer geworden ist und sich die Spielsachen nach und nach füllen, bis wieder alles aufgeräumt werden muss. Aber dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Schleichpferde und Co. wieder einziehen.

5. und 6.
Welche deiner Lebens- bzw. Arbeitsräume liebst du gerade ganz besonders und warum? Okay, das sind gleich 2 Fragen.

Ich liebe momentan meinen Büroarbeitsplatz, weil es sich dort gut arbeiten lässt, aber vor allem, weil ich mit dem Lettering das mache, was ich machen will. Da ist der Ort, wo ich es machen, nicht das Wichtigste. Als Lebensraum kann ich momentan nur die Wohnung nennen, wo wir wohnen. Wegen Corona verbringen wir da ja viel mehr Zeit als sonst. Es ist schon erstaunlich, wie man sich an diese Situation gewöhnen kann, auch wenn einem die anderen Dinge so fehlen.

7. Ich glaube daran, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn wir mehr von dem tun, was uns wirklich am Herzen liegt. Was ist dein Herzensthema?

Mein Herzensthema sind die Buchstaben, die ich gestalte. Ich finde mich in diesem Prozess, etwas völlig Neues zu kreieren, wieder. Wenn es dann noch mit organischen Kurven zu tun hat, kann ich nicht mehr verlangen.

8. Was motiviert dich an deinem Herzensthema dranzubleiben, wenn dich mal ein Durchhänger plagt?

Wenn ich meine Grenzen überwinde durch neue gestalterische Ausdrücke, die vorher nicht möglich waren, dann ist das eine Motivation, die mir genug Kraft gibt, die Durchhänger zu überstehen, die garantiert immer mal wieder kommen. (Durchhänger ist für mich, wenn ich auf der Stelle trete, nichts Neues mache und bereits Gewohntes produziere.)
Natürlich motivieren mich auch immer wieder Situationen, in denen ich merke, dass meine Außenwelt wahrnimmt, was ich tue.

9. „Marke ist das, was die Menschen über dich sagen, wenn du den Raum verlässt!“, sagt Jeff Bezos, der Gründer von Amazon. Jetzt bin ich gespannt! Was sagst du über mich, wenn ich den Raum verlasse?

Ein Raum ist für dich frei, den kannst du nicht verlassen.
Ich würde sagen, du machst dein Ding!

10. Ich stehe an der Schwelle zu den nächsten 10 Freiraumfrau-Jahren. Was gibst du mir mit auf den Weg? Wünsche, Verbesserungsvorschläge, Inspiration? Ich bin gespannt.

Ich wünsche dir, dass du deine Idee mit dem Freiraum so lebst und verkörperst, wenn du es nicht schon tust, so dass es kein Label, keine Bezeichnung oder Etikette braucht, um von jedem verstanden zu werden durch dein Sein/Tun.

Danke, lieber Robert für deine feinen Antworten!

Fotocredit: Simone Naumann



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