frei:heraus – 10 Fragen an Nicole Leppin

10 Jahre Freiraumfrau

Von der Geburt meiner Marke bis heute traf ich wunderbare Menschen, die mir halfen an entscheidenden Kreuzungen den richtigen Weg einzuschlagen. Menschen, die mir ihr offenes Ohr schenkten und den Spiegel vorhielten. Die mir mit Rat & Tat zur Seite standen oder durch ihr Wirken mein Vorbild sind. Zum Jubiläum beschenken mich Wegbegleiterinnen mit inspirierenden Antworten auf meine zehn Fragen.

Meine heutige Interviewpartnerin ist Nicole Leppin!

Kennengelernt haben wir uns 2016 bei einem Abendessen in einem afghanischen Restaurant. Ein Event der von Marjeta Prah-Moses organisiert worden war. Nicole und ich tauchten damals in ein intensives Gespräch ein. Später dachte ich, wenn ich mal (m)ein Buch mache, dann hole ich mir Nicole ins Boot.
Im Frühjahr 2017 war es dann soweit. Die Rohfassung meiner Comicbiografie hatte ich gerade mit intensiven Anmerkungen von meinen Probeleser:innen zurück erhalten. Ich spürte, dass ich Unterstützung brauchen würde um mein Herzensprojekt wirklich in die Welt zu träumen. Nicole wurde meine Sparringspartnerin und brachte mich mit ihren wertschätzenden und kritischen Fragen in eine erneute Reflektion über Zielgruppe und Ausrichtung meiner Comicbiografie. Sie war mein Autorencoach! In der Schlußphase verpasste sie meinen Texten den Feinschliff. So hatte ich Zeit, mich auf die Zeichnungen zu konzentrieren.

Liebe Nicole:

1. Meine Lieblingsfrage steht gleich am Anfang. Freiraum ist ein großes Wort, unter dem jeder sich etwas anderes vorstellt. Was bedeutet Freiraum für dich?

Im Moment bedeutet Freiraum für mich, die kleinen Lücken im Alltag viel aufmerksamer wahrzunehmen und zu nutzen. Nicht auf die große Gelegenheit zu warten, sondern auch die 10 oder 15 Minuten als Chance zu sehen, um bei meinen Sachen einen Schritt weiterzukommen. Das empfinde ich als sehr belebend.

2. Das C-Wort ist in aller Munde. Welchen Freiraum vermisst du ganz besonders?

In meinem Alltag vermisse ich die Möglichkeit, spontan Dinge zu unternehmen, ins Kino, ins Schwimmbad oder mal wieder entspannt shoppen zu gehen. Menschen zu treffen, ohne zu überlegen: Halt. Stopp. Wie viele dürfen es gerade nochmal sein? – Während der letzten Wochen habe ich bei der politischen Diskussion über neue Regeln und Einschränkungen besonders eines vermisst: Klarheit und die dazu passende Konsequenz. Ich wünsche mir, dass es hier künftig mehr Freiraum gibt, damit – statt in Lähmung oder Aktionismus zu verfallen – mit mehr Besonnenheit und Vorausschau gehandelt werden kann.

3. Wenn es um dich herum mal wieder hoch hergeht, was tust du dir Gutes um wieder in deine Mitte zu kommen?

Als erstes versuche ich, den Druck rauszunehmen, mir wieder Raum zu verschaffen. Oft hilft mir dabei ein Spaziergang. Mir ist wichtig, dass ich erstmal verstehe, was wirklich los ist, bevor ich anfange, über Lösungen nachzudenken. Gedanken zu Papier zu bringen, ist dabei sehr hilfreich. Und eine gute Tasse Tee.

4. Im Moment verbringen wir viel Zeit zu Hause. Die Innenarchitektin in mir möchte gerne wissen, wo du dir gerade mehr Freiraum in deinen Räumen wünschst?

Unser Keller wartet darauf, aufgeräumt zu werden. Gibt es Freiwillige? 😉 Ansonsten bin ich froh über den Platz, den wir in unseren vier Wänden haben, mein eigenes Arbeitszimmer, den Garten.

5. und 6.
Welche deiner Lebens- bzw. Arbeitsräume liebst du gerade ganz besonders und warum? Okay, das sind gleich 2 Fragen.

Mir ist wichtig, was ich in welchen Räumen tun kann, was ich mit ihnen verbinde, welche Gelegenheit sie mir bieten. Zu „meinen“ Räumen gehört neben den schon genannten auch das Feld draußen, auf dem ich meine Walking-Runden drehe, die S-Bahn, in der ich mir Notizen mache, das Auto, in dem ich ein Hörbuch höre, usw.

7. Ich glaube daran, dass die Welt ein besserer Ort wird, wenn wir mehr von dem tun, was uns wirklich am Herzen liegt. Was ist dein Herzensthema?

Nach 25 Jahren Berufserfahrung in Buchverlagen habe ich mich Anfang 2020 als Autoren-Coachin selbstständig gemacht. Schreibende Menschen auf dem Weg zu ihrem Buch und in ihrem Schreibprozess zu begleiten und zu unterstützen, entspricht mir und ich bin froh, so arbeiten zu können. Dem Schreiben gilt neben dem beruflichen auch mein persönliches Interesse. Mir ist bei beidem wichtig, mich nach meinem inneren Kompass weiterzuentwickeln und dazuzulernen.

8. Was motiviert dich an deinem Herzensthema dranzubleiben, wenn dich mal ein Durchhänger plagt?

Wir sind keine Maschinen und können nicht dauernd Höchstleistung erbringen. Kreativität braucht auch Zeiten des Nichtstuns. Sich das zuzugestehen, gerade wenn man einen hohen Anspruch hat, halte ich für essenziell. Manch lästiger „Durchhänger“ ist ein Signal, dass man Zeit und Ruhe braucht, um das eigene kreative Reservoir wieder auffüllen zu können.

9. „Marke ist das, was die Menschen über dich sagen, wenn du den Raum verlässt!“, sagt Jeff Bezos, der Gründer von Amazon. Jetzt bin ich gespannt! Was sagst du über mich, wenn ich den Raum verlasse?

Marke ist für mich die Essenz, die ein Unternehmen oder das Wirken einer Person unverwechselbar macht. Bei dir sind das aus meiner Sicht vor allem deine Zeichnungen, deine bildlichen Übersetzungen. Dein Marken-Zeichen ist für mich der Freiraumbus, deine Kreativwerkstatt auf vier Rädern.

10. Ich stehe an der Schwelle zu den nächsten 10 Freiraumfrau-Jahren. Was gibst du mir mit auf den Weg? Wünsche, Verbesserungsvorschläge, Inspiration? Ich bin gespannt.

Zunächst einmal gratuliere ich dir sehr herzlich zu deinem 10-jährigen Marken-Jubiläum! So ein Meilenstein ist ein spannender Zeitpunkt, um innezuhalten und sich zu befragen: Wo stehe ich heute? Wo möchte ich in 5 Jahren sein? Wo in 10 Jahren? Und sich dann überraschen zu lassen, was passiert… Für die nächsten Freiraumfrau-Jahre wünsche ich dir jedenfalls alles Gute, viel Inspiration, Wachstum und Freude.

Danke, liebe Nicole, für deine Wegbegleitung und deine Antworten!

Fotocredit: Marjeta Prah-Moses

Alle Interviews auf einen Blick findest du hier: frei:heraus – 10 Fragen an …