Von jetzt auf gleich war alles anders!

Zack! Stechender Schmerz durchschoss meinen Körper.

Er raubte mir den Atem und trieb mir die Tränen in die Augen.
Auf einer Schmerzskala von 1 bis 10, wenn 12 Presswehen sind, war das eine glatte 13.

Eigentlich wollte ich nur das Meer retten.

Tags zuvor hatte ein Sturm gewütet und die rot-weiß-gestreifte Markise eines Strandkorbs losgerissen. Sie hatte sich ganz fest zwischen den Buhnen verheddert. Ich versuchte die Markise auszubuddeln. Doch das gelang mir nicht. Okay, dann eben nicht, dachte ich mir.

Meine Hände waren voller Sand.

Ich balancierte ein paar Schritte über die Buhne. Ging dann in die Hocke und wollte meine Hände waschen. Die fette Welle kam unerwartet. Ich reagierte und wich in einer Rückwärtsrotation zurück. Stolperte. Wurde vom Rucksack nach unten gezogen. Fing mich mit durchgestreckten Armen auf dem durch den Sturm betonharten Strand ab.

Bämm! Der Schmerz trieb mir die Tränen in die Augen.

Ich hatte Schnappatmung vor Schmerz. So lag ich lange am Strand. Auf die Idee, mir Hilfe zu holen kam ich nicht. Ich weiß nicht mehr, wie ich den Rückweg zum Freiraumbus geschafft habe. Zum Arzt ging ich erst einige Tage später, da ich optimistisch davon ausgegangen war, meine Handgelenke seien geprellt.

Die Röntgenbilder sprachen eine andere Sprache!

Diagnose: Beidseitige Radiusfraktur. Das hieß, die Speichenknochen beider Hände waren handgelenksnah gebrochen. Ich bekam links einen Gips und rechts „nur“ eine Orthese.
Schwupps, so schnell kann es gehen. Zwei gebrochene Handgelenke machten mich von einer auf die andere Minute zum Pflegefall. Nichts konnte ich anfangs alleine machen. Brauchte für so banale Sachen wie Anziehen oder Duschen die Hilfe meines Mannes.

Es fühlte sich scheiße an, abhängig zu sein.

Statt 6 Wochen dauerte die Heilung dann fast 3 Monate. In Kombination mit Corona erlebte ich einen gruseligen Winter. Immobil und festgetackert, das ist das Gegenteil von Freiraum.

Irgendwann verstand ich, dass mir diese Armbrüche etwas sagen wollten.

Ich ging der Frage nach, wofür ich in Zukunft meine Kraft in die Hand nehmen würde.
Rigoros warf ich nochmals Dinge über Bord. Konzentrierte mich auf das für mich Wesentliche. Das war ein anspruchsvoller und intensiver Prozess.

Heute ist der Jahrestag meines Sturzes.

Meine Hände gehören wieder zu mir. So wie vorher werden sie wohl nicht mehr. Damit habe ich mich ganz langsam arrangiert. Dafür schenkten sie mir Heilung auf anderen Ebenen. Heute frage ich mich bei wichtigen Entscheidungen, ob ich dafür wirklich meine Kraft in die Hand nehmen will? Ich achte besser auf meine Ressourcen. Für diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar. Das Gute im Schlechten sozusagen.

Wofür nimmst du deine Kraft in die Hand?

Schmerzärmer als durch solche einschneidenden, körperlichen Krisen kommst du mit Selbstehrlichkeit weiter. Ich sage ja immer, es hilft „grottenehrlich“ zu sein. Wenn du Unterstützung bei der Beantwortung dieser Frage suchst, dann melde dich. Gerne bin ich als Mentorin an deiner Seite und unterstütze dich. Lass uns gemeinsam Freiraum kreieren!

Wenn du mich heute suchst, ich bin am Strand und beschließe mit einem kleinen Ritual am Unfallort das Kapitel Armbrüche.